Meine Videos landen im Feed von Menschen, die ich auf anderem Weg niemals erreicht hätte.
Der Apfel, die wohl bekannteste Frucht der Welt, braucht keine Influencer. Doch wenn eine Person, die sich wirklich mit Apfelanbau auskennt, auf innovative Weise davon erzählt, schafft das Vertrauen und kommt auch bei einem jüngeren Publikum gut an. Davon ist Kait Thornton überzeugt, eine junge Obstbäuerin mit 275.000 Followern auf Instagram und 389.000 auf TikTok.
Schon als Teenager war die US-Amerikanerin Kait Thornton als „Apple Girl“ bekannt. Vier Jahre später greift dieser Spitzname längst zu kurz. Über ihre Social-Media-Kanäle zeigt sie, worauf es beim Apfelanbau wirklich ankommt. Damit erreicht sie ein weltweites Publikum und ist so etwas wie die Apfel-Botschafterin ihrer Generation.
Kait Thornton wurde auf der Obstfarm ihrer Familie in Tonasket im US-Bundesstaat Washington, nur zwanzig Minuten von der kanadischen Grenze entfernt, geboren und ist dort aufgewachsen. „Meine Urgroßeltern begannen in den 1920er-Jahren mit 100 Acres Land. Nach dem Krieg wurde mein Großvater Arzt – der einzige in der Gegend. Wenn er Zeit hatte, nahm er seinen kleinen Sohn, meinen Vater, mit auf die Farm. Daher kam seine Leidenschaft für den Obstbau.“
Später wurde der Familienbesitz unter den zahlreichen Geschwistern aufgeteilt. Als Kaits Vater Geoff Thornton in den 1980er-Jahren selbst mit dem Obstbau begann, gehörte ihm zunächst nur ein kleiner Teil des ursprünglichen Landes. Doch Schritt für Schritt baute er den Betrieb aus: von 27 auf heute mehr als 440 bewirtschaftete Acres, also von rund 10 auf 178 Hektar.
Der Vater gab seine Begeisterung für den Obstbau an seine Tochter weiter. Während ihrer Highschool-Zeit begann Kait Thornton, Äpfel zu verkaufen. Sie lud Kisten voller frisch geernteter Früchte auf ihren Pick-up und lieferte sie lokal aus. Unter dem Namen „Kait’s Crates“ machte sie über digitale Kanäle auf ihr Angebot aufmerksam. Die Resonanz war groß. Nicht nur wegen der Qualität der Äpfel, sondern auch wegen der Begegnung mit der jungen Produzentin, deren Begeisterung ansteckend wirkte.
Auf Instagram und TikTok dokumentiert Kait Thornton außerdem die Fortschritte der Landwirtschaft in ihrer Region und zeigt, was ein verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen für sie und die anderen Bauern der Gegend bedeutet. „Sobald unser Obst die Farm verlässt, wird es in einem Packhaus gemeinsam mit den Erzeugnissen von rund 300 weiteren Familien unter derselben Marke vertrieben. Hochwertige Äpfel zu produzieren, die sich gut lagern lassen und schmecken, ist eine Gemeinschaftsleistung. Auch unsere Nachbarn legen großen Wert auf eine sorgfältige Pflege ihrer Felder. Ökologischer Anbau ist großartig, allerdings auch deutlich kostenintensiver. Nachhaltigkeit bedeutet für uns vor allem, wirtschaftlich bestehen zu können. Eine der ersten Lektionen, die unser Vater uns als Kinder vermittelt hat, war: Wir müssen verantwortungsvoll mit unserem Land umgehen. Denn wir bauen nicht nur heute Obst an, sondern erhalten unsere Plantagen auch für die Generation meiner Kinder.“
Die natürlichen Bedingungen im Norden des Bundesstaats Washington kommen den Obstplantagen zugute. Warme, sonnige Tage und kühle Nächte sorgen für eine geringe Luftfeuchtigkeit und schaffen damit ideale Voraussetzungen für gesunde Bäume. So bleibt auch der Apfelschorf weitgehend unter Kontrolle. Selbst angesichts des Klimawandels schützt das Kaskadengebirge die weitläufigen Obstanlagen vor gravierenden Wetterextremen. Kait Thornton ist überzeugt, dass die natürlichen Standortvorteile ihrer Region dazu beitragen, dass auch bei extremeren Wetterbedingungen weiterhin hochwertiges Obst wächst.
„Mit einem Schädling haben wir allerdings regelmäßig zu kämpfen: dem Apfelwickler. Apfelproduzenten weltweit kennen dieses Problem. Inzwischen setzen wir verstärkt auf die Freisetzung steriler Insekten. So lässt sich die Population auch ohne massiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich reduzieren.
Die enge Zusammenarbeit mit den Forschungsabteilungen der Washington State University ist dabei äußerst wertvoll. Die Universität unterhält Forschende und Versuchsplantagen in der gesamten Region. Auch wir haben Flächen für Forschungsprojekte zur Verfügung gestellt, auf denen verschiedene Sorten getestet werden. Außerdem wurden an der Uni Washington neue Apfelsorten entwickelt, darunter Cosmic Crisp. Wir lieben diese Sorte, und unsere Kunden ebenfalls.“
Durch ihre Präsenz in den sozialen Medien gelingt es Kait Thornton, „Menschen dort zu erreichen, wo sie Obstbau normalerweise gar nicht erwarten würden. Genau dadurch habe ich große Fortschritte gemacht. Meine Videos landen im Feed von Menschen, die ich auf anderem Weg niemals erreicht hätte. Sie spüren meine Begeisterung, wenn es um Äpfel, Birnen und Landwirtschaft geht. Daraus ergeben sich immer wieder coole Kooperationen.“
Weil die Bevölkerung im Norden des Bundesstaats Washington weit verstreut lebt, sind Hofführungen kaum möglich. Digitale Formate eröffnen dagegen neue Horizonte. Eine Idee sind virtuelle Apfelverkostungen, die zeitgleich an verschiedenen Orten stattfinden: „Es wäre großartig, wenn Menschen unterschiedliche Sorten probieren könnten in einem Format, das Wissen vermittelt und gleichzeitig Spaß macht. Wenn man die Inhalte einfach und verständlich aufbereitet, besonders für jüngere Menschen, lässt sich enorm viel Interesse wecken.“
In den kommenden Jahren möchte Kait Thornton sich intensiver mit den Auswirkungen verschiedener Obstsorten auf das menschliche Verdauungssystem beschäftigen und dieses Wissen mit ihrer Community teilen. „Ernährung hat mich schon immer interessiert. Die meisten wissen, dass Äpfel gesund sind, aber nur wenige können erklären, warum. Sie kennen Vitamin C und Antioxidantien. Doch wie wirken diese Stoffe eigentlich in unserem Körper? Ich möchte besser verstehen, welchen Einfluss unterschiedliche Früchte – ob Äpfel, Birnen oder Kirschen – auf unsere Gesundheit haben. Ich möchte den Menschen zeigen, wie wir unsere Bäume pflegen und wie unsere Bäume wiederum für uns sorgen.“
Text: Kate Singleton