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Foto credits: Eurac Research | Martin Telser
Im Jahr 2007 errichtete das Versuchszentrum Laimburg in Auer eine Photovoltaikanlage über Apfelbäumen. Es war das weltweit erste solche Versuchsprojekt im Apfelanbau. Fast 20 Jahre später ist die Forschung keineswegs abgeschlossen. Im Gegenteil, eine neue Anlage – gebaut im Rahmen des Forschungsprojekts SYMBIOSYST – liefert seit letztem Jahr noch mehr Daten. Fünf Lehren aus 20 Jahren Forschung und Praxiserfahrung, eingeordnet von Martin Thalheimer, Leiter der Arbeitsgruppe Boden, Düngung und Bewässerung am Versuchszentrum Laimburg.
„Agrivoltaikanlagen können in unterschiedlichster Bauweise errichtet werden, ebenso gibt es aus agronomischer Sicht verschiedene Möglichkeiten, eine Obstanlage zu gestalten“, sagt Thalheimer. „Sowohl die Solarmodultransparenz als auch das Erziehungssystem sind Stellschrauben, mit denen sich das Lichtangebot im Pflanzenbestand beeinflussen lässt.“ Was diese optimale Kombination ist? Das ist eine der Fragen, die die neue Agrivoltaikanlage des Versuchszentrums Laimburg im Außenbetrieb Binnenland seit 2025 zu beantworten versucht. Sie verfügt konkret über zwei Arten von schwenkbaren Solarpaneelen – mit 10 und 35 Prozent Transparenz – sowie über zwei Erziehungsarten: Spindel- und Mehrachsensystem.
Foto credits: Laimburg Research Centre/Agnese Martinelli
Aber ist der Schatten der Solarpaneele nicht schlecht für die Pflanzen? Nicht unbedingt: „Die Paneele können Sonnenbrandschäden, Vorerntefruchtfall oder auch den Infektionsdruck von Pilzkrankheiten verringern“, zählt Thalheimer als positive Effekte auf. Auch geringerer Wasserverbrauch kann eine Folge sein. Allerdings stellt er klar: „Es gibt in europäischen Pilotanlagen auch Beispiele von negativen Interaktionen, das heißt von Fällen, wo bei der Produktivität der Pflanzen oder bei der Qualität des Endprodukts Einbußen festgestellt wurden.“ Um zu verstehen, wie sich Standort, Sorten und weitere Parameter auswirken, seien noch mehr Forschungsanlagen und mehrjährige Beobachtungen nötig.
„Der Hauptzweck einer Agrivoltaikanlage ist es, durch die Erzeugung sauberer Energie eine zusätzliche Einkommensquelle für den landwirtschaftlichen Betrieb zu schaffen und zugleich auch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“, sagt Martin Thalheimer. Tatsächlich ermöglicht das System die Nutzung derselben Fläche für die Produktion von Lebensmitteln und erneuerbarer Energie. Das kann den Flächendruck reduzieren und die Effizienz der Landnutzung steigern. Außerdem helfen ein potenziell geringerer Wasserverbrauch, weniger Sonnenbrandschäden sowie ein reduzierter Befall durch bestimmte Pilzkrankheiten die Schäden durch die Klimakrise zu vermindern. Dazu kommt das Potenzial, die Landwirtschaft stärker zu elektrifizieren und den Einsatz fossiler Energieträger zu verringern.
Foto credits: Eurac Research | Martin Telser
„Aktuell sind die Investitionskosten für die Errichtung einer Agrivoltaikanlage noch sehr hoch und der Erlös aus dem Energieverkauf vergleichsweise gering. Zudem kommen zu den eigentlichen Kosten für die Anlage häufig noch beträchtliche Erschließungsspesen. Interessant wird eine Agrivoltaikanlage deshalb besonders dann, wenn der Betrieb selbst einen hohen Energieverbrauch hat, der durch Eigenproduktion abgedeckt werden könnte. Momentan wird auch nach Lösungen gesucht, Agrivoltaikanlagen mit geringeren Investitionskosten zu realisieren“, sagt Thalheimer. Denkbare Lösungen könnten inzwischen sein, dass mehrere landwirtschaftliche Betriebe gemeinsam investieren oder dass spezialisierte Unternehmen Obstanbauflächen pachten.
Foto credits: Eurac Research | Martin Telser
„Es wird vor allem auch von den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen – darunter auch von den Fördermaßnahmen – abhängen, ob die Agrivoltaik in Zukunft in größerem Maßstab Fuß fassen wird“, sagt Martin Thalheimer. Das Potenzial wäre da: Agrivoltaik könnte einen Beitrag zu den europäischen Ausbauzielen für erneuerbare Energien leisten. Damit aus vielversprechenden Pilotprojekten jedoch ein breit anwendbares Modell wird, braucht es weitere Forschung und Innovation. Denn nach wie vor sind Fragen zur Wirtschaftlichkeit sowie zu den langfristigen Auswirkungen auf die Kulturen offen. Die kommenden Jahre werden daher zeigen müssen, unter welchen Bedingungen Agrivoltaik sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Energiewende einen nachhaltigen Mehrwert schaffen kann.
Text: Daniela Kahler
Das europäische Horizon-Forschungsprojekt SYMBIOSYST untersucht, wie sich Landwirtschaft und erneuerbare Energieerzeugung optimal kombinieren lassen. In Südtirol betreibt das Projekt seit 2025 eine Agrivoltaik-Versuchsanlage über Apfelbäumen, in der erforscht wird, wie unterschiedliche Photovoltaikmodule und Anbausysteme Ertrag, Fruchtqualität, Wasserbedarf und Energieproduktion beeinflussen. Versuchszentrum Laimburg, Eurac Research, Südtiroler Bauernbund und weitere nationale und internationale Partner begleiten das Projekt.