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15/10/2019

Communication Forum 2019 zur Nachhaltigkeit im Tourismus

Gibt es eine einheitliche, universelle Definition von Nachhaltigkeit? Was bedeutet es, im Tourismus- und Hotelbereich nachhaltig zu sein? Wie werden Urlaubsangebote für den Touristen von morgen aufgebaut und kommuniziert? Diese und viele weitere Fragen beantworteten die Speaker des Communication Forums im Rahmen der Fachmesse Hotel 2019.

 

"Nachhaltigkeit beim Reisen: Worauf Gäste morgen Wert legen", so lautete der Titel der heurigen Auflage des Communication Forums, einem der Highlights der Fachmesse für Hotellerie und Gastronomie, die in den Hallen der Messe Bozen wieder über sechshundert Aussteller zusammen bringt. Der diesjährige Schwerpunkt ist Nachhaltigkeit, ein sehr aktuelles Thema, das gestern dank der Vorträge von international renommierten Referenten ausführlich diskutiert wurde, allen voran Vordenker und Umweltvisionär Prof. Michael Braungart, Professor an der Leuphana Universität Lüneburg. 

 

"Ich möchte bestimmte Überzeugungen umkehren: Es ist nicht entscheidend, die Abfallproduktion auf null zu reduzieren, aber wir müssen sicherstellen, dass die Dinge, die wir produzieren, unserer Umwelt gut tun.“ Mit diesen Worten begann Michael Braungart seine Ausführungen, die auf dem innovativen "Cradle to Cradle"-Konzept beruhen, nach dem Produkte so gestaltet werden müssen, dass sie nicht irgendwann zu (schädlichem) Müll, sondern wieder nützlich werden: "Es reicht nicht, die schädlichen Auswirkungen unseres Konsums zu begrenzen - dafür wir sind einfach zu viele. Stattdessen müssen wir die Produkte überdenken, damit es keinen Abfall gibt, sondern das, was bleibt, nützlich ist, positiv und wiederverwendbar - eine Art "Materialbank". Der deutsche Chemiker, ehemalige Greenpeace-Aktivist und Baumhausbewohner räumte in seinem inspirierenden und unterhaltsamen Auftritt auch mit einigen Alltagsmythen und Begriffen auf, wie zum Beispiel der sogenannten Klimaneutralität: „Keine Auswirkung auf das Klima zu haben, würde bedeuten nicht zu existieren. Wir müssen uns daher bemühen, die Umwelt positiv zu beeinflussen und die Welt zu verbessern. Und das bedeutet nicht, nicht zu produzieren, nicht zu konsumieren, nicht zu bewegen, sondern es bedeutet, es so zu tun, dass es eine positive Wirkung hat. Das heißt weniger Effizienz und mehr Effektivität, denn zu viel Effizienz führt dazu, dass wir die Dinge perfekt machen, aber die falschen!“

 

Auf die Kommunikation nachhaltiger Konzepte konzentrierte sich Joachim Schöpfer, Gründer der Reputationsagentur Serviceplan, die neue Marktforschungsinstrumente wie den Corporate Reputation Score (CRS) und den Sustainability Image Score (SIS) entwickelt hat. Ausgehend von einer Analyse der derzeitigen Situation und der Erweiterung der klassischen Nachhaltigkeitsdimensionen um die Kultur lautet seine Definition von Nachhaltigkeit "Innovation und Individualisierung, nicht Verzicht". 

 

Und wie verkauft man Nachhaltigkeit? Wie stark beeinflusst es den Umsatz? Schöpfer und sein Team untersuchten Verbrauchermarken aus verschiedenen Branchen und stellten fest, dass sich das Image eines nachhaltigen Unternehmens bei einigen Produkten auszahlt: Die Kommunikation der Nachhaltigkeitskomponente Ihrer Produkte ist erfolgreich, solange sie echt ist. "Es ist interessant festzustellen, dass Nachhaltigkeit als Mehrwert für den Kunden wahrgenommen werden muss und kein Selbstzweck sein darf und in dieser Hinsicht auch eine Investition wert ist.“ Nachhaltigkeit ist auch ein ausgezeichneter Motor für Innovationen. Aber ist Nachhaltigkeit gut für den Tourismus? Für Schöpfer heißt die Antwort ja, wenn man weiß, was der Tourist sucht. Die Faktoren, die zur Wahl des Urlaubs führen, sind vielfältig, aber immer mehr Menschen suchen nach individuellen Erfahrungen. Wenn Nachhaltigkeit und Individualisierung im richtigen Maße kombiniert werden können, sind Touristen bereit, mehr auszugeben. "Nachhaltigkeit muss Realität werden", so Schöpfer abschließend. 

 

Schließlich zeigte Wolfgang Töchterle, der neue Leiter der Abteilung Marketing bei IDM Südtirol, in seinem Kurzreferat anhand konkreter Beispiele auf, dass die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit Eingang finden müssen in eine zukunftsweisende Erfolgsmessung von Tourismus. Für kommendes Jahr kündigte er die Präsentation eines sektorenübergreifenden Nachhaltigkeitsindex an, der für Südtirol als zukünftige Modellregion der Nachhaltigkeit unabdingbar sein wird.

 

Das Communication Forum – von Messe Bozen gemeinsam mit dem Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV), der Hoteliers- und Gastwirtejugend (HGJ) und IDM Südtirol im Rahmen der Fachmesse für Hotellerie und Gastronomie organisiert – nimmt jedes Jahr die aktuellen Tendenzen in Sachen Kommunikation in der Tourismusbranche in den Blick.