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Projekt Neue Messe Bozen: Geschichte und Eigenschaften
Man schreibt das Jahr 1991, als die Autonome Körperschaft Bozner Messe einen internationalen Wettbewerb ausschreibt. Der Gegenstand lautet: Entwurf des neuen Messegeländes in der Gewerbezone am südlichen Stadtrand, in der Nähe der Autobahnausfahrt. Als Wettebewerbssieger gehen die Bozner Architekten Claudio Lucchin und Roberto d'Ambrogio hervor. Kurz darauf erhält die Messekörperschaft von der Südtiroler Landesverwaltung und der Gemeinde Bozen den Auftrag, die Wettbewerbsausschreibung für die Errichtung der neuen Eissporthalle neben dem für die neue Messe bestimmten Grundstück zu übernehmen. Die nach ihrer einzigartigen Dachgestaltung getaufte "Eiswelle" entsteht somit als Mehrzweckhalle sowie als erste Ausstellungshalle des neuen Messegeländes. Den Zuschlag für die Errichtung des Gebäudes erhält das Bauunternehmen Del Favero aus Trient mit einem Projekt, das außer von den Architekten Claudio Lucchin und Roberto d'Ambrogio auch von den Kollegen Bassetti, Anesi und Franchini sowie von Ingenieur Lee mitunterzeichnet wird. Das gesamte Bauwerk wird innerhalb kürzester Zeit fertiggestellt, um noch vor Beginn der Eishockey-Weltmeisterschaft 1994 bezugsfertig zu sein. Als die Realisierung des neuen Messegeländes inzwischen kurz vor der Ausführungsphase steht, bahnt sich 1993 anläßlich der Fachmesse "Bauschau" die Idee einer Musterbaustelle an. Während die Europäische Union in diesem Projekt die Möglichkeit sieht, die praktische Umsetzung der soeben erlassenen Richtlinie 92/57 zu überprüfen, sieht die Messekörperschaft darin eine Chance, ihr Image aufzuwerten, etwa nach dem Motto: Ein Pilotprojekt für eine Musterbaustelle für eine Modellmesse. Für dieses zukunftsweisende Vorhaben lassen sich auch sehr rasch zahlreiche Unternehmer, Sozialpartnervertreter und Berufsbildungsinstitutionen gewinnen. Auch für die Planer bringt das Pilotprojekt viele neue Erfahrungen mit sich, müssen sie doch neben der üblichen Planungsarbeit auch an eigens organisierten Seminaren teilnehmen, das Projekt mit den neuen gesundheits- und sicherheitstechnischen Anforderungen in Einklang bringen, und mehrere Detailfragen der Ausführung, die ansonsten von der Baufirma gelöst werden, bereits im voraus klären.
Das Messegelände Das neue, äußerst nüchterne und ohne Schnörkel errichtete Messegelände erstreckt sich über ein Grundstück von rund 5 Hektar und ragt durch seine Ausmaße aus der gesamten Gewerbezone hervor. Es handelt sich um eine vielschichtige und flexible Struktur, die sämtliche Voraussetzungen für die verschiedensten Anforderungen von Messen, Kongressen und Freizeitveranstaltungen bietet. Die neue Messe Bozen gliedert sich in zwei getrennte Hauptgebäude, die Messehalle und das Dienstleistungszentrum. Die Messehalle umschließt 25.000 Quadratmeter überdachte Fläche und besteht im wesentlichen aus zwei Bereichen mit variabler Länge, zwischen welchen die Hauptachse und zugleich Hauptverbindungsweg ("Galerie") des Gebäudes verläuft. Auf dem Dach finden rund 800 PKW Platz, während weitere 500 in der Tiefgarage an der Marco Polo-Straße geparkt werden können. Langfristig besteht die Möglichkeit, die Messehalle um eine Etage aufzustocken und auf dem derzeitigen Parkplatz eine zweite Ausstellungsebene zu errichten und diesem Dach abermals einen Parkplatz unterzubringen.
Die Galerie der Messehalle wurde mit Stahlträgern und Stahlpfeilern gebaut sowie mit Leimbindern überdacht. Diese Kombination aus Holz und Stahl gibt dem gesamten Bau einen besonders ausgefallenen Ausdruck. Das Dienstleistungszentrum verfügt über 13.500 Quadratmeter Nutzfläche und besteht aus einem herkömmlichen Block mit Betongerippe und Plattendecken. Ein Teil des Innenhofes wurde mit überkreuzten Leimbindern überdacht. In den vier Stockwerken des Gebäudes sind die verschiedensten Dienstleistungen untergebracht wie etwa ein Polizeibüro, die Feuerwehr, die erste Hilfe, Bankschalter und Geschäfte, das Kongresszentrum, das Restaurant, Ausstellungsräume, die Besucherkassen, die Anmeldeschalter für Aussteller und Besucher sowie die Büros der Messe. Aufgrund einer Vereinbarung zwischen Messe und Autonomer Provinz Bozen obliegt die Verwaltung des Dienstleistungszentrums direkt der Messe.
Die Anlagen Der Planung und Errichtung der Anlagen der neuen Messe Bozen liegt das Ziel zugrunde, möglichst viel Flexibilität, effiziente Dienstleistungen und optimale Nutzung der Strukturen zu gewährleisten. Größtmögliche Anpassungsfähigkeit ist nämlich aufgrund der unterschiedlichen Zweckbestimmungen des Gebäudes sowie der verschiedenen, hier stattfindenden Veranstaltungen unbedingt erforderlich.
Zu den Anlagen gehören zum einen die infrastrukturellen Hauptanschlüsse (Strom, Wasser, Abwasserentsorgung und Telefon) und zum anderen eine Reihe von Dienstleistungen wie etwa Verpflegung, Sitzungsräume, Bankdienste, Reiseagenturen, Telekommunikationsdienste, Post, Dolmetsch- und Betreuungsagenturen, u.s.w. Besondere Sorgfalt galt der Planung und Realisierung aller Maßnahmen und Systeme, die eine optimale Nutzung für Aussteller und Besucher ermöglichen. Dazu wurden zum Beispiel die internen Umweltbedingungen verbessert (Klimatisierung, Beleuchtung und Schalldämpfung), Rolltreppen und Aufzüge zur schnelleren Mobilität errichtet, und die Orientierung durch eine übersichtliche und leicht verständliche Beschilderung erleichtert.
Sämtliche Freiflächen des neuen Messegeländes können für die Werbung und Information über Produkte oder Ereignisse benutzt werden, um die Aufmerksamkeit der Besucher zu wecken. Eine ausreichende Anzahl von Zeichen und Wegweisern signalisiert überall die Richtung und den Standort der verschiedenen Dienstleistungen für Besucher, Aussteller, Einrichtungsbauer und Personal. Neben den strategisch auf der gesamten Fläche und auf den verschiedenen Ebenen verteilten Schildern sorgen auch die interaktiven Auskunftsterminals (TOTEMS) für bestmögliche Information. Mit unterschiedlichen Buchstaben und Zahlen werden die verschiedenen Bereiche und Gänge sowie die jeweiligen Verbindungswege ausgezeichnet. Gleiches gilt für die Parkplätze, die ebenfalls nach Bereichen gegliedert sind. An den Haupteingängen erscheint neben dem Logo der Messekörperschaft auch jenes der jeweils stattfindenden Messeveranstaltung. Als besonders günstig erweist sich auch die Gliederung von Schildern und Hinweistafeln nach Farbe, Form und Grafik, die je nach Standort, Dienstleistungen und Zielgruppe anders gestaltet sind.
Die Zufahrt zur Messe Dank seiner optimalen Verkehrserschließung kann das neue Messegelände entweder mit dem Auto (die Autobahnausfahrt "Bozen Süd" ist nur ein paar hundert Meter entfernt) oder mit dem Zug (unmittelbar vor dem Haupteingang befindet sich der Bahnhof Bozen Süd, wo die Nahverkehrszüge eine rasche und bequeme Verbindung mit der Stadtmitte gewährleisten) erreicht werden. Der am 28. März 1999 eröffnete Bozner Flugplatz trägt zur guten Erreichbarkeit des Messegeländes bei. Die Innenstadt kann mit dem Stadtbus Nr. 10a oder 10b sowie Nr. 4 erreicht werden, die ungefähr alle 10 Minuten vor der Messe halten.
Ein paar Zahlen über den Bau der neuen Messe Bozen Die Bauarbeiten wurden im Mai 1996 begonnen und im Juni 1998 nach 24 Monaten intensiver Arbeit beendet. Ausgeführt wurde das Bauwerk von der Firma Adanti aus Bologna, dem federführenden Unternehmen des Konsortiums Adanti-Schiavina-Pontello, das seinerseits weitere 30 Fachunternehmen herangezogen hat. Es wurden über 200 Km Stromkabel und 150 km Rohrleitungen verlegt sowie über 30.000 Kubikmeter Beton verbaut. Auf der Baustelle sind die Betonmischer rund 4000 Mal ein und aus gefahren, 4 Millionen Kilogramm Eisen wurden für die Betonbewährung benutzt, und über 2000 Lampen wurden installiert. Durchschnittlich arbeiteten auf der Baustelle zwischen 120 und 150 Personen täglich. Das Bauwerk kostete insgesamt 70 Milliarden Lire.
BAU DES NEUEN MESSEGELÄNDES
Auftraggebende Gesellschaft Autonome Körperschaft Bozner Messe Präsident RA Dr. Gernot Rössler Direktor Dr. Reinhold Marsoner Technische Leitung Geom. Giorgio Gajer Technischer Stab Architekturprojekt Arch. Claudio Lucchin - Arch. Roberto D'Ambrogio Statik Ing. Herbert Mayer - Ing. Guglielmo Concer Technische Anlagen Intertecno Bauleitung Ing. Florian Trafojer - Geom. Graziano Dolzan Technische Leitung der ausführenden Firmen P.I. Marco Matti Baustellenleiter Ing. Stefano Caniatti - Geom. Fabio Graziani Sicherheitskoordinator Ing. Herbert Mayer Planung der Beschilderung Simone & Simons Ausführende Firmen Baufirma A.T.I. - Adanti, Bologna - Schiavina, Casalecchio sul Reno - Pontello, Firenze Technische Anlagen Busi & C. Consorzio, Bologna Technische Abnahmeprüfer Ing. Giorgio Pasquali - Ing. Helmuth Ambach
TECHNISCHE DATEN 25.000 qm überdachte Ausstellungsfläche. 15.000 qm Ausstellungsfläche im Freigelände. Dazugehörige Mehrzweckhalle : 5.000 qm überdachte Ausstellungsfläche, Fassungsvermögen 7.200/8.000 Personen. 1300 Parkplätze. Kongreßzentrum mit 400 Sitzplätzen und 7 Tagungssälen. Dienstleistungs- und Einkaufszentrum. 60 Show Rooms. Hotelstruktur (geplant) mit 150 Zimmern. Direkte, schnelle und bequeme Verkehrsanbindungen mit Auto, Bus, Zug, Flugzeug.
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